Tag der Berufe 2019 in Wiesloch

Berufliche Perspektive und „Plan B“ für die Generation Z

58 Ausbildungsbetriebe und Unternehmen der Region präsentierten sich am Freitag, 8.2., im Wieslocher Palatin. Schülerinnen und Schüler sowie ganze Schulklassen mit und ohne Lehrer und Eltern aus dem näheren Umkreis von 14 bis 17 Uhr durchkämmten die Säle und Räumlichkeiten des Veranstaltungszentrums. Die Angebote für Studienplätze waren zwar vorhanden, fanden jedoch bei der anwesenden Zielgruppe geringeres Interesse, altersbedingt. Denn die Auszubildenden von morgen hatten an diesem Tag ein Durchschnittsalter von 15 Jahren.
Entsprechend fanden die Schulen, wie die Johann-Philipp-Bronner Schule, die Huber-Sternberg-Schule oder die Louise-Otto-Peters-Schule, großen Zulauf. Gerade bei letzterer Schulart, die doch sehr stark in den sozialen Bereich fällt, ließ der große Andrang bei manchem Aussteller hoffen.
Denn die sozialen Berufe, z.B. Pflege und Pädagogik, suchen und brauchen dringend Nachwuchs. Jasmin Fürniß von den Zero-Praxen: „Die Schülerinnen und Schüler sind doch noch recht jung. Sie suchen Berufe, die gut bezahlt werden und weniger Aufwand darstellen. Das ist in der Pflege leider nicht der Fall. Unser Berufsfeld ist einfach nicht attraktiv genug und uns fehlen die Leute an allen Enden.“ Sarina Drissler vom IM Bildungszentrum Heidelberg sieht das ähnlich: „Die Nachfragen sind zwar groß, aber am Ende kommt kaum eine Bewerbung rein. Ein Jahr im sozialen Bereich legen sich viele als ‚Plan B‘ bereit, falls alles andere nicht klappen sollte, um mehr Zeit zu bekommen. Wir haben viele offene Stellen und immer mehr Anfragen auch aus dem Ausland.“
Neben einem sozialen Jahr sahen wohl viele Schüler auch ein Praktikum als Schnupperphase oder sogenannten „Plan B“ an. An fast jedem Stand wurde mehrfach nach einem Praktikumsplatz gefragt. Sei es als schulische Pflicht oder aus eigenem Interesse. Denn die Generation Z kann sich bei dem großen und vielfältigen Angebot das zur Zeit herrscht, ihre Stelle quasi selbst aussuchen.

Großes Angebot – geringe Nachfrage

Der Markt ist schwierig geworden und wie in der freien Markwirtschaft, bestimmt die Nachfrage und die ist gering. Die meisten Schülerinnen und Schüler interessieren sich für die Schularten und weitere Möglichkeiten, später studieren zu können, so die Rückmeldung von den Ständen. „Alle unsere Klassen sind gut gefüllt und alle Bereich abgedeckt“, so zwei Lehrer von der LOP.
Großen Andrang finden auch die großen Firmen wie z.B. Mercedes. Sie suchen noch Auszubildende im KfZ-Bereich und kommen dem Andrang fast nicht mehr hinterher. „Wir sind ein großer und attraktiver Arbeitgeber für die Schüler“, ist das Feedback vom Mercedes-Stand. So sehr die großen Firmen auch gefragt sind, ist eines auffällig. Die Nachfragen konzentrieren sich auf altbekannte Berufe, wie das Palatin berichtet: „Fast alle Anfragen gingen in den Hotel- und Gastronomiebereich. Die Sparte Veranstaltungstechnik fand fast keinen Anklang.“ Auf die Frage nach dem Warum war die Antwort: „Zu unbekannt.“ Und in der Tat.
Denn auch das Verlagshaus Nussbaum Medien war mit einem Stand und jeweils einem Azubi aus einem der Ausbildungsbereiche vertreten. Am meisten zu tun hatte die Auszubildende im Bereich Mediengestaltung. „Der gestalterische Bereich ist hier nicht so gut abgedeckt“, bemerkte Personalleiter Jürgen Ullram von Nussbaum Medien, „Dafür ist die Nachfrage sehr hoch. Die anderen Berufe sind nicht so gefragt oder noch zu unbekannt.“
Noch kurz vor der Eröffnung um 14 Uhr war überhaupt nicht sicher, ob der Tag der Berufe überhaupt stattfinden könne. Ein Stromausfall in Wiesloch hatte die Aufbauarbeiten unterbrochen und aus sicherheitstechnischen Gründen gab es auch bis 13.55 Uhr kein grünes Licht für die Eröffnung. Bis dahin blieben alle ohne Strom und warteten. Als dann die Lichter endlich angingen, konnten die Türen für die bereits wartenden Schülerinnen und Schüler geöffnet werden.
Dass nun jeder Bereich und jeder freie Ausbildungsplatz belegt wurde, bleibt zu bezweifeln. Das Angebot war jedenfalls groß und sehr vielfältig. Bleibt abzuwarten, ob sich die Prognosen der Standbetreiber bestätigen und die Nachfragen eher gering ausfallen.
(sake.)